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Sehr geehrte Damen und Herren,
in den letzten drei Jahren ist die Welt ökonomisch unsicherer und daher unberechenbar geworden. Plötzlich ereigneten sich Dinge, die seit Jahrzehnten als unmöglich angesehen wurden. In der Vergangenheit hatte sich aufgrund der weltweiten wirtschaftlichen Kooperation zunehmend die Überzeugung verfestigt, dass sich eine Weltwirtschaftskrise wie in den 20-iger und 30-iger Jahren des vergange-nen Jahrhunderts nicht wiederholen könne. Drei Jahre nach dem Platzen der amerikanischen Immobilienblase stellt sich dieser Glaube als Irrtum heraus. Niemand vermag zu sagen, ob die derzeitige Wirtschaftskrise schlimmer und länger sein wird, als die vor rund 80 Jahren.
Es scheint, als ob niemand so recht weiß, wo wir zur Zeit ökonomisch stehen. Die Medien verbreiten fast täglich widersprüchliche Prognosen aus Wissenschaft und Wirtschaft. Inflations- und Deflationswarnungen am gleichen Tag in ein- und derselben Wirtschaftszeitung sind nichts Ungewöhnliches. Natürlich haben Politiker und Manager versucht, nicht die gleichen Fehlentscheidungen zu begehen, wie in der vorausgegangenen Weltwirtschaftskrise. Beispielsweise ist es durch die Abwrackprämie gelungen, in einer kritischen Phase den Arbeitsmarkt zu stabilisieren. Andererseits ist aber das Ausmaß der heute bereits erkennbaren negativen Auswirkungen dieser Maßnahme noch nicht absehbar.
Die Erfahrungen der letzten Monate lassen in jedem Fall darauf schließen, dass es aufgrund der komplexer gewordenen wirtschaftlichen Situation schwierig ist, die seit der ersten Weltwirtschaftskrise entwickelten Instrumentarien zur Lösung der gegenwärtigen Krise erfolgreich einzusetzen. Die Meinungen über die Dauer der momentanen Turbulenzen gehen ebenfalls weit auseinander. Die Ansicht, dass die Krise fast überstanden sein könnte, konkurriert mit der, dass sie gerade erst begonnen habe.
Welche Anlagestrategie sollte man in einer so chaotischen Zeit wie der heutigen verfolgen?
Fest steht, dass Geldbesitzer – abgesehen von extrem niedrigen Zinsen – im Vergleich zu Anlegern in anderen Bereichen bisher kaum Vermögensverluste haben hinnehmen müssen. Sie haben weder Mietausfälle oder Werteinbußen bei Immobilien noch Kursverluste an der Börse erlitten. Ob dies auch künftig so bleiben wird, muss bezweifelt werden. Einiges spricht dagegen. Die aktuelle Diskussion über den Wert des Euro gegenüber dem Dollar und anderen Währungen macht erneut auf gravierende Weise deutlich, dass der Geldwert anders als der Sachwert ausschließlich auf einer Illusion beruht, die unter extremen Bedingungen wie eine Blase zerplatzen kann.
In Krisenzeiten unterliegen Papierscheine mit lediglich aufgedruckter Wertangabe latent der Gefahr, diesen Wert ganz oder teilweise zu verlieren. Anfänglich leichte Wertverluste in Form der üblichen Inflation, verbunden mit riesigen Geldverfügungen des Staates - beispielsweise zur Rettung des Bankensystems oder zur Erhaltung der Kreditwürdigkeit schwächerer Eurostaaten - sind nicht nur geeignet, Spekulationen gegen den Euro auszulösen, sondern können auch die Wertillusion des Euro generell zerstören. Es ist nicht auszuschließen, dass es durch den Verlust dieser wertbegründenden Illusion zu einer galoppierenden Inflation kommt. Bei einer solchen, heute nicht mehr auszuschließenden Entwicklung, müssen Geldbesitzer einen Totalverlust befürchten. Das aus Sicherheitsgründen erbrachte Opfer in Form eines weitgehenden Renditeverzichts würde sich dann zudem als nutzlos herausstellen.
Im Gegensatz dazu haben Sachwerte – beispielsweise Immobilien in Form von Wohnungen oder Gewerbeimmobilien wie Hotels oder Sozialimmobilien – einen konkreten, realen Wert. Der Wert von Sachwerten basiert auf deren Nutzbarkeit. Ihr Wert ist gewisserweise autonom, während der Wert des Geldes auf einer Konvention beruht, die sich verflüchtigen kann.
Unter diesem Aspekt empfehlen wir Ihnen in der heutigen unruhigen Zeit, den überwiegenden Teil Ihres Vermögens in möglichst preisgünstig erworbene, daher hoch rentierliche und konservativ finanzierte Sachwerte anzulegen.
Mit freundlichen Grüßen
Winfried Hilger
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